Vorwort

Warum diese Seite?
Ausgelöst durch unsere Entführung haben wir schon während der Gefangenschaft beschlossen, eine Webseite über unsere Erfahrungen einzurichten. Wir haben sie 2002 gestartet. Sie besteht also etwa 15 Jahre. Wir haben versucht, während dieser Zeit die Lage in Kolumbien so objektiv wie möglich abzubilden.

Rückblick:

18. Juli 2001, in der Nähe der Stadt Silvia, Kolumbien. Ein Luxus-Geländewagen überholt das Fahrzeug des Entwicklungshelfers Ulrich Künzel und stellt sich quer. Sechs bis an die Zähne bewaffnete Männer steigen aus. Sie entführen Ulrich Künzel, seinen Bruder Thomas und den gemeinsamen Freund Reiner Bruchmann ...

Es folgen neun bzw. zwölf Wochen Gefangenschaft in den Händen der "Mobilen Kolonne Jacobo Arenas" der "Revolutionären Bewaffneten Kräfte Kolumbiens" (FARC)

Mit unserer Seite verfolgten wir das Ziel, der Öffentlichkeit in Deutschland die Wirklichkeit der FARC so darzustellen, wie wir sie während unserer Gefangenschaft erlebt hatten. Wir wollten damit auch das Bild korrigieren, das viele Menschen in Deutschland von Kolumbien und der FARC damals hatten:
Kolumbien eine Diktatur und die FARC eine Befreiungsbewegung gegen die Reichen und zum Wohl der Armen. Unser Eindruck von der FARC war 2001 der einer tendenziell zur Verbrecherbande verkommenen Bewegung, die jeden Bezug zur Realität in Kolumbien und in der Welt verloren hatte, sollte dieser jemals existiert haben.

In den 15 Jahren (Stand 2017) des Bestehens dieser Seite haben in Kolumbien und in der Welt große Veränderungen stattgefunden.

Zunächst verschärfte sich die Situation in Kolumbien dramatisch, und Kontakte zwischen Regierung und FARC brachen ab, als klar wurde, dass diese sich in der ihr zugestandenen Entmilitarisierten Zone nicht an die Abmachungen hielt, indem sie z.B. ihr unliebsame Richter und Geschäftsleute vertrieb. Gleichzeitig nahmen Attentate, Entführungen und offene Kampfhandlungen mit Polizei und Streitkräften stark zu.

Einen Wendepunkt im Bild, das die FARC in der Welt abgab, stellte 2002 die Entführung der Präsidentschaftskandidatin der kolumbianischen Grünen, Ingrid Betancourt, dar. Auch Menschen, die bisher noch daran geglaubt hatten, die FARC stehe trotz zweifelhafter Aktionen im Grunde noch immer für eine gerechtere Gesellschaft in Kolumbien, wurden nun misstrauisch, zumal als klar wurde, dass die Gefangenschaft jahrelang andauern sollte.

Dieser gravierende Imageverlust und die militärische Schwächung infolge des entschlossenen Vorgehens der Regierung führten über die Jahre dazu, dass auf Seiten der FARC die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen wuchs, während sich auf Regierungsseite die Überzeugung durchsetzte, dass der Konflikt trotz der Schwächung der FARC militärisch nicht zu gewinnen war.

So hat sich der Inhalt dieser Seite in seinem Schwerpunkt im Laufe der Jahre, vor allem seit 2010, allmählich verschoben: Weg von der Darstellung der Schandtaten der FARC und der Entgleisungen der Staatsmacht- und hin zur Darstellung der Friedensbemühungen, die nach vier Jahren ihren Höhepunkt in der Unterzeichnung der Friedensabkommens im September 2016 in Havanna fanden.
Wir sind glücklich, viel mehr über Versöhnung und Opferentschädigung, Entwaffnung und Eintritt ins politische Leben berichten zu können als wie früher über Bomben, Entführungen und Todesopfer, auch wenn wir wissen, dass der Weg zum Frieden in Kolumbien noch weit ist und Widerstände zu überwinden sind.
In diesem Sinne wollen wir auch weiterhin den Friedensprozess in Kolumbien beobachten und dem deutschen Publikum nahe bringen.
Und für alle, die sich schwer tun, mit Leuten Frieden zu schließen, die für schwere Verbrechen verantwortlich sind:
Man verhandelt über Frieden nicht mit seinen Freunden, sondern mit seinen Feinden!

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© 2002 FARC.de by Thomas Künzel, Ulrich Künzel, Reiner Bruchmann